Personal­entwicklung als Wegbegleitung und Lernvorbild

Diesen Artikel teilen:

Im Gespräch erzählt Lydia Pawlowski, Personalentwicklerin bei den Stadtwerken Augsburg, warum Zuhören und Nachfragen das A und O in der Personalentwicklung ist.

Frau Pawlowski, wie motivieren Sie Ihre Mitarbeitenden zur Weiterbildung?

Das ist entweder sehr leicht oder sehr schwierig – je nach den Menschen. Viele Mitarbeitende sind von sich aus interessiert und dankbar für die Möglichkeit, Weiterbildungen machen zu können und erkennen an, wie wertvoll das ist. Aber das Spektrum bei uns Menschen ist groß, es reicht von den Mitarbeitenden, die sich Weiterbildungen in Eigeninitiative aussuchen oder proaktiv Weiterbildungen wünschen bis zu denen, die nur das Pflichtprogramm absolvieren. Wir suchen daher regelmäßig den Dialog mit unseren Führungskräften und Kolleg*innen und erfragen, welcher Bedarf in den Abteilungen besteht, um sinnvolle Weiterbildungsangebote zu schaffen.

Nehmen Sie in Bezug auf die Motivation einen Unterschied zwischen den jungen und älteren Kolleginnen und Kollegen wahr?

Es gibt 62-Jährige, die wissensdurstiger sind als manche 19-Jährige. Alter selbst ist nur eine Zahl. Es hängt von der Einstellung ab, wie „alt“ man ist. Unser Unternehmen will jüngere ebenso fördern wie ältere Mitarbeitende. Wir brauchen die Kreativität und den Gestaltungswillen von allen. Es wäre klasse, wenn niemand eine Schulung oder ein Training als indirekte Kritik auffassen würde, sondern als hervorragende Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln und Neues kennenzulernen.

Weiterbildung bedeutet auch: Eine Kollegin oder ein Kollege erklärt mir etwas – und ich höre zu. Welche Rolle spielt „voneinander Lernen“ bei den Stadtwerken Augsburg?

Meiner Meinung nach macht dieses voneinander Lernen 95 Prozent der Personalentwicklung aus. Lernen findet heute, wie vermutlich schon immer, hauptsächlich in der täglichen Arbeit statt. Wir in der Personalentwicklung können durch unsere Angebote Impulse und Denkanstöße geben sowie Menschen im Unternehmen dabei unterstützen, selbstständig und kollaborativ zu lernen – und nicht nur dann, wenn der Seminarkalender es vorgibt. Ideal ist es, wenn wir als Vorbild und Lernbegleiter handeln und wahrgenommen werden.

Gibt es eine Erfolgsstory, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Als Stadtwerk ist unsere Belegschaft sehr heterogen: Ein Großteil ist unterwegs, der andere Teil sitzt im Büro. Weiterbildungen für erstere zu organisieren ist deutlich komplizierter als für diejenigen, die im Büro sind. Ein Beispiel: Vor der Pandemie haben wir für alle Fahrerinnen und Fahrer eine Workshopserie zur Kommunikation - innerbetrieblich, wie auch mit unseren Fahrgästen durchgeführt. Das war für die Kollegen in der Disposition ein großer organisatorischer Aufwand – schließlich sind die Mitarbeitenden in einen straffen Schicht- und Fahrplan eingetaktet. Wir sind in diesem Projekt einen neuen Weg gegangen und haben die Konzeption und Durchführung in die kreativen Hände von Jörg Schur, einem bekannten Improvisationskünstler aus Augsburg, gelegt. Bei der fahrenden Belegschaft kam das sehr gut an.

Was macht Personalentwicklung für Sie persönlich so spannend?

Jeder Tag ist anders! Ich schätze diese Abwechslung. Ich weiß nie, welche Herausforderung in der nächsten halben Stunde auf mich wartet. Mir macht es große Freude, Themen aus einem „Man müsste mal“-Status in die Realität zu überführen. Oder anders gesagt: etwas zu entwickeln, was den Arbeitsalltag der Kolleginnen und Kollegen nachhaltig befruchtet und das Miteinander leichter macht. Dazu gehört: Zuhören und Nachfragen. Ich sehe mich selbst als Wegbegleiterin für meine Kollegen und Kolleginnen.

Die Beratung und das Angebot für Coachings zählen auch dazu – etwa als Unterstützung eines Projekt- oder Teamleiters oder von Mitarbeitenden, die persönliche Probleme oder Schwierigkeiten mit Kollegen zu bewältigen haben. Coaching als Instrument der Personalentwicklung ist bei uns seit langem nicht mehr nur für Führungskräfte relevant, sondern wird auch von vielen nicht-Führungskräften als sinnvoll und wichtig betrachtet und gerne in Anspruch genommen.

ZUR PERSON

Lydia Pawlowski ist seit 15 Jahren als Personalentwicklerin bei den Stadtwerken Augsburg tätig.

Dieser Beitrag erschien erstmals in der März-Ausgabe 2022 der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK).

Diesen Artikel teilen:

Caroline Günther

Unsere Marketingexpertin Caroline ist das Epizentrum der Lots*schen Außendarstellung. Sie sorgt dafür, dass die Welt von dem erfährt, was wir tun. Wie wir es tun. Warum wir es tun. Natürlich gibt Caroline dieses Wissen auch an unsere Kund*innen weiter. Der Vorteil: Alle Tipps und Tricks sind garantiert praxiserprobt und an unserer eigenen Agentur getestet.

Hier finden Sie alle Beiträge von Caroline Günther

Auch interessant

Arbeitswelt zwischen Pandemie und New Normal

Konstantin Gerlach, Experte für Organisationsentwicklung, erklärt im Interview, wie Unternehmen den neuen Herausforderungen der Arbeitswelt begegnen können.

Weiterlesen

Einen Arbeitsplatz für alle schaffen

Fahrstühle, behindertengerechte Toiletten und breite Türen – das stellen sich die meisten unter Inklusion in der Arbeitswelt vor. Tatsächlich geht sie weit darüber hinaus – wie die Stadtwerke Münster zeigen.

Weiterlesen

„HR muss Menschen begeistern, neue Dinge zu lernen“

HR-Experte Gero Hesse erklärt im Interview, wie sich Unternehmen im Bereich der Personalentwicklung in den kommenden Jahren bewegen müssen, um auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.

Weiterlesen