7 digitale Beteiligungs­formate für die Verkehrs­planung

Diesen Artikel teilen:

Bürgerbeteiligung oder Partizipation spielt vor allem bei Projekten der Infrastruktur- und Verkehrsplanung eine immer wichtigere Rolle. Digitale Beteiligungsformate wie Online Co-Design, Mapping, digitale Workshops und Newsletter tragen dazu bei, die Interessen von Bürger*innen, Planer*innen und Verwaltung in einem engen Prozess zusammenzubringen. Wir stellen sieben digitale Beteiligungsformate und ihren Nutzen für die Verkehrsplanung vor.

Neu ist der Gedanke, digitale Formate in der Beteiligung von Infrastruktur- und Verkehrsbauprojekten zu nutzen, nicht. In den letzten Jahren sind klassische Vor-Ort-Angebote mehr und mehr um neue digitale Formate ergänzt worden. Vor allem um solche Zielgruppen anzusprechen, die digitalen Kommunikationskanälen besonders aufgeschlossen gegenüberstehen und die mit den typischen Präsenzangeboten nur schwer zu erreichen waren.

Inzwischen machen Smartphone, Tablet und Computer vieles möglich, was das persönliche Vor-Ort-Sein ergänzt und sogar ersetzt. In dieser Sammlung listen wir 7 digitale Beteiligungsformate auf, die Sie ermutigen sollen, Ihren Beteiligungsprozess digital zu gestalten.

#1 Online Co-Design - zukunftsfähig, kreativ, 3D 

Co-Design bindet aktiv Bürger*innen sowie weitere relevante Stakeholder in einen (Design-) Entwicklungsprozess ein. Der damit verbundene Grundgedanke ist, dass alle relevanten Akteur*innen voneinander lernen und ihre Erfahrungen einbringen. Auf Grundlage eines 3D-Modells werden eigene Designvorschläge erstellt. Zusätzlich können alle eingereichten Designs in einer Online-Galerie angeschaut und kommentiert werden. Mit der Erarbeitung räumlich-funktionaler Entwurfskonzepte setzen Sie individuelle Beteiligungsverfahren in der Verkehrsplanung um und bringen die Interessen von Bürger*innen, Planer*innen und Verwaltung in einem engen Prozess zusammen. 

Gruppengröße: variabel 

Zeitlicher Umfang: angemessene Wahl eines zeitlichen Rahmens erforderlich (variiert nach Umfang) 

Technische Anforderungen: Smartphone, Tablet und Computer, ggf. Anbindung an Beteiligungsplattform 

#2 Mapping – visuell, strukturiert, 2D 

 „Augmented Reality“ (AR, dt. erweiterte Realität) steht für eine Visualisierungsmethode, die mit Hilfe von computerbasierter Simulation ein Abbild der Realität erstellt. Damit lassen sich Verknüpfungen von virtueller und physischer Realität generieren. Hier können beispielsweise erste Entwürfe von Gebäuden auf ihre späteren Standorte projiziert werden. Augmented Participation (AP, dt. erweiterte Partizipation) verschafft Bürger*innen die Möglichkeit geplante Bauvorhaben nicht nur zu betrachten, sondern auch direkt kommentieren und bewerten zu können. Auf diese Weise kann das Verständnis für die Inhalte der Planung gestärkt werden. 

Gruppengröße: variabel 

Zeitlicher Umfang: angemessene Wahl eines zeitlichen Rahmens erforderlich (variiert nach Umfang) 

Technische Anforderungen: Smartphone, Tablet und Computer, ggf. Anbindung an Beteiligungsplattform 

#3 Digitaler Newsletter – informativ, zielgerichtet, günstig 

Ein Newsletter (engl. für Infobrief) ermöglicht es Interessierten zu bestimmten Themen wie Veranstaltungen, Serviceangebote oder Termine, stets auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Durch die digitale Verbreitung eigenen sich Newsletters insbesondere, um niedrigschwellig eine Vielzahl an Interessierten zu erreichen. Besondere Inhalte wie Videos und weiterführende Links eröffnen Interessierten weitere Möglichkeiten, sich zu verwandten oder ähnlichen Themen eigenständig zu informieren. Newsletter werden außerdem verwendet, um auf Umfragen aufmerksam zu machen und so Meinungsbilder der Leser*innen zu erfragen. 

Gruppengröße: unbegrenzt 

Zeitlicher Umfang: Unbegrenzt, Versand im regelmäßigen Turnus 

Technische Anforderungen: Smartphone, Tablet, Computer und E-Mail-Programm 

#4 Digitale Workshops – dynamisch, begegnend, interaktiv 

Workshops sind Veranstaltungen, bei denen sich kleinere Gruppen mit begrenzter Zeitdauer intensiv mit einem Thema auseinandersetzen (zum Beispiel zum Sammeln oder einfachen Bewerten von Ideen) oder um sich zu einem offenen und niedrigschwelligen Austausch zu treffen. Bei der Durchführung im digitalen Raum bleibt alles was gemeinsam erarbeitet wurde gespeichert und kann jederzeit wieder aufgerufen werden. Alle gesammelten Daten können sofort als Dokumentation bzw. Auswertung übernommen werden. 

Gruppengröße: variiert   

Zeitlicher Umfang: mehrere Sessions bis zu 60 Minuten mit kurzen Pausen  

Technische Anforderungen: Smartphone, Tablet und Computer, ggf. Anbindung an Videokommunikationsdienste 

#5 Online Seminar – live, interaktiv, informativ 

Ein Online-Seminar ermöglicht das Halten von Schulungen, Präsentationen und Informationsveranstaltungen über das Internet. Es kann öffentlich einsehbar sein oder nur einer Gruppe zugänglich gemacht werden. Wichtige Eigenschaften sind der Live-Charakter und die Möglichkeit der gleichzeitigen und beidseitigen Kommunikation. Die Teilnehmer*innen kommen zu einem festgelegten Zeitpunkt auf einer Videoplattform zusammen. Die Moderation leitet durch den Ablauf des Seminars und koordiniert Fragenrunden und deren individuelle oder offene Beantwortung. 

Gruppengröße: variabel 

Zeitlicher Umfang: nicht mehr als 90 Minuten 

Technische Anforderungen: Smartphone, Tablet und Computer, ggf. Anbindung an Videokommunikationsdienste 

#6 Online Umfragen – schnell, prägnant, auf den Punkt 

Online-Umfragen werden eingesetzt, um Stimmungs- und Meinungsbilder von Menschen einzuholen. Der Fragebogen wird dabei nicht mit Stift und Papier ausgefüllt, sondern digital im Webbrowser. Den Teilnehmenden wird ein Link, der zum Fragebogen führt, per E-Mail zugesendet oder es wird ein Link auf einer Internetseite oder via Social Media zur Verfügung gestellt. Die über die Antworten gewonnenen Daten sind nicht nur sofort verfügbar, sondern auch von hoher Qualität. Eine Online-Umfrage liefert meist ehrliche Antworten – zumal, wenn die Befragung anonym durchgeführt wird.  

Gruppengröße: variabel 

Zeitlicher Umfang: angemessene Wahl eines zeitlichen Rahmens erforderlich (variiert nach Umfang) 

Technische Anforderungen: Smartphone, Tablet und Computer 

#7 Video – audiovisuell, kommunikativ, vielfältig 

Videos werden eingesetzt, um Inhalte zu einem bestimmten Thema in kürzester Zeit einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Video-Plattformen YouTube und Vimeo bieten registrierten Nutzer*innen die Möglichkeit eigene Kanäle zu erstellen. Die Erstellung dieser und das Hochladen von Videos sind kostenfrei. Zuschauer*innen können die Videos anschauen und nach einer Anmeldung auch favorisieren, kommentieren, teilen und diskutieren. Für das Erstellen von Videos sind entsprechende Bearbeitungssoftware, Videokamera, Mikrofon und ein stabiler Internetanschluss notwendig. Ferner sind solide Kenntnisse in Webanwendungen, Audio- und Videobearbeitung und Erfahrung mit Aufnahmetechniken hilfreich. 

Gruppengröße: unbegrenzt 

Zeitlicher Umfang: unbegrenzt 

Technische Anforderungen: Smartphone, Tablet und Computer 

Fazit 

Digitale Beteiligungsformate sind vielfältig und enthalten unterschätzte Potentiale für Infrastruktur- und Verkehrsplanungsprojekte. Für die Umsetzung von digitalen Formaten müssen Sie kein IT-Experte sein. Jedoch stehen vor der Auswahl geeigneter Formate immer strategische Überlegungen und die Erstellung eines Konzepts.  

Die Auswahl der Methoden richtet sich nach den Zielen der Beteiligung, den einzubindenden Bevölkerungsgruppen und der Stufe der Beteiligung (Fokus auf Information, Dialog oder Mitwirkung). Für ein geplantes Projekt sollten idealerweise mehrere aufeinander abgestimmte und sich ergänzende Formate in einem Beteiligungsprozess zusammengeführt werden, um unterschiedliche Zielgruppen (organisierte Akteur*innen, Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Bürger*innen, Anwohner*innen, schwer erreichbare Gruppen) mit unterschiedlichen Rollen in unterschiedlicher Intensität einzubinden und die Ergebnisse in den Politikprozess einfließen zu lassen. 

Diesen Artikel teilen:

Jörg Müller

Jörg Müller ist Geschäftsführer von Lots*, systemischer Moderator und strategischer Kommunikator. Seit langem begleitet er vor Ort und digital Beteiligungsformate. Ob digitale Bürgersprechstunde oder Zukunftswerkstatt: Jörg ist überzeugt, dass sich fast alle Themen mit einer guten Konzeption, Klarheit in der Themenstellung und einem auf die Zielgruppen abgestimmten Beteiligungs- und Kommunikationskonzept bearbeiten lassen. Unsere internen Meetings und Team-Tage wären ohne Jörgs strukturierende Klebezettel nur halb so bunt. Diese wurden auch schon in seiner heimischen Küche gesichtet.

Hier finden Sie alle Beiträge von Jörg Müller

Auch interessant

Frühe Beteiligung: Ideen und Perspektiven zur richtigen Zeit

In unserem Podcast spricht Franziska Morgner von Lots* mit Andreas Hoppe von der Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) und Erhard Krüger von der Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG) über frühzeitige Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung bei bedeutenden Verkehrs- und Infrastrukturprojekten. Wo liegen...

Weiterlesen

Gender und Diversity in der Verkehrs­­planung

Morgens erst das eine Kind in die Kita, das andere zur Schule bringen. Dann weiter ins Büro. Nachmittags den Einkauf erledigen und auf die Schnelle ein Medikament aus der Apotheke holen, auf dem Heimweg die Mutter im Pflegeheim besuchen, Kinder von Kita und Hort wieder einsammeln. Abends ein Kind...

Weiterlesen

Kosten im Planungs­prozess minimieren? Mit früher Kommu­­nikation!

In unserem Podcast spricht Jörg Müller von Lots* mit Katrin Hoppe, Leiterin der Abteilung Marktbearbeitung und -kommunikation der Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB) und Iris Rudolph, Pressesprecherin der SWH. Stadtwerke Halle GmbH über ihre Erfahrungen mit früher Kommunikation in Planungsprozessen...

Weiterlesen